Geschichte | 1990er Jahre

Christian List,
Inhaber einer Creativ-Agentur

Christian List (Jahrgang 1971) erlebte als Besucher den Einzug der Computer ins Jugendhaus, lernte als Zivildienstleistender in der Verwaltung des Stuttgarter Jugendhaus e.V. sein "Handwerk" und organisiert inzwischen als Selbständiger große Veranstaltungen in der Stuttgarter Szene.

Die Kommunikation verändert sich

"An den ersten Computer im Jugendhaus Untertürkheim kann ich mich noch genau erinnern: Modell C64, in einem Kasten verschlossen und nur auf Anfrage zugänglich. Wenn dann ein Betreuer Zeit hatte, war er natürlich ständig belagert."

In den 90er Jahren hat sich die Kommunikation in unserer Gesellschaft grundlegend geändert: sie ist wesentlich schneller, umfangreicher und komprimierter geworden. Für Jugendliche besteht ein gewisser Druck, mitzuhalten und mit den neuen Medien umgehen zu können. Die Einrichtungen des Stuttgarter Jugendhaus e.V. haben dies als wichtige Aufgabe erkannt und stellen Mittel und know-how zur Verfügung.

"Als begeisterter Jugendhaus-Besucher war es für mich keine Frage, dort meinen Zivildienst abzuleisten. Während dieser Zeit sammelte ich in der Verwaltung des Stuttgarter Jugendhaus e.V. viele Erfahrungen, die mir heute sehr nützlich sind: wie man praktisch von einer Idee zur Ausführung kommt, Planung und Organisation von Grund auf, angefangen von den ganz einfachen Dingen wie man ein Fax bedient oder einen Brief schreibt. Für mich waren das die ersten Schritte ins Berufsleben. Hätte ich die Zivildienstzeit nicht gehabt, wäre heute vieles anders."

Heute ist Christian List Geschäftsführer einer Agentur, die einen Club betreibt und große Veranstaltungen in Stuttgart organisiert. So zum Beispiel die Auftaktveranstaltung des SWR-Jugendradios "Das Ding" im Jugendhaus Mitte.

"Wir wollten einen Treffpunkt für Jugendliche mit dem entsprechenden Flair haben. Viele Künstler aus der Rapper- und HipHop-Szene haben dort ihre Karrieren gestartet. Hier gibt es auch das erste nicht kommerzielle Internet-Cafe Stuttgarts. Das ist ein Beweis dafür, dass der Stuttgarter Jugendhaus e.V. mit seinem Konzept am Puls der Zeit ist. Aber nicht nur nach außen, auch intern hat sich die Organisation in den 90er Jahren verändert. Mit modernen Maßstäben wie Qualitätssicherung muss auch die Arbeit im sozialen Bereich Kriterien der Wirtschaftlichkeit standhalten."