Geschichte | 1960er Jahre

Heinz E. Hirscher, Künstler

Der Werkstattleiter Heinz E. Hirscher wirkte als Künstler und Pädagoge in jenen Jahren, als die Didaktik der offenen Werkstätten und Jugendhäuser in Stuttgart beispielhaft entwickelt wurde

 

Sigrid Lülfing, Chefsekretärin

Wie ihre eigene Westentasche kannte Sigrid Lülfing den Stuttgarter Jugendhaus e.V., als sie 28 Jahre lang in der Geschäftsstelle arbeitete, und sie möchte diese Zeit nicht missen.

Die Pädagogik der Werkstätten

"Das Musische mit dem Werken verbinden" war das Motto von Werkpädagogen wie Günter Bundschuh, Hermann Bachschuster oder Heinz E. Hirscher, der von 1954 bis 1971 Werkstattleiter im Stuttgarter Jugendhaus e.V. war.

"Anfang der 60er Jahre gab es noch keine ausgebildeten Sozialpädagogen. Wir Lehrer waren damals künstlerisch- handwerklich tätig und sahen, dass die Entwicklung hin zur Konsumgesellschaft mit psychischen und sozialen Verletzungen verbunden ist. Dagegen wollten wir ein aktives und auf´s Schöpferische zielende Programm aufbauen. Vom Material aus. Vom Kind aus. Und vom Spielerischen her. Wir Künstler-Lehrer waren gefragt, Anleitungen zu geben für die Kreativität, die in jedem Kind steckt. Die Kinder und Jugendlichen waren alle begierig, in die Werkstätten zu gehen, um Geschenke oder auch Gegenstände für den täglichen Bedarf herzustellen. Da wir nicht aus dem Überfluss schöpfen konnten, entstand damals zum Beispiel die Idee „Werken mit Abfall" veröffentlicht im Tübinger Katzmannverlag." Einem anderen Thema, genannt Akademie Materio, ist Hirscher neben seiner Arbeit als freier Künstler bis heute treu geblieben.

Als Besucherin der Werkstätten hatte Sigrid Lülfing den Stuttgarter Jugendhaus e.V. kennengelernt. 1956 begann sie ihre Mitarbeit als Chefsekretärin in der "Zentrale". "Es war eine wunderbare Zeit, denn ich bin mit vielen interessanten Leuten zusammengekommen. An der Nahtstelle zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung konnte ich die Entwicklung der Organisation verfolgen. Der Schwerpunkt lag auf den Werkstätten, in denen Fachleute wie Maler, Töpfer oder Puppenspieler arbeiteten. Viele davon waren übrigens Frauen, zum Beispiel Anni Weigand oder Hilde Reisser. Ihr Ziel war, Kinder und Jugendliche sinnvoll zu beschäftigen. Und dabei sind erstaunlich viele kleine und große Kunstwerke entstanden. Jedes Jahr gab es eine Ausstellung, die viel Anklang fand. Ebenso wie die großen Faschingsfeste des Stuttgarter Jugendhaus e.V. in den 60er Jahren. Oft waren wir bis lange nach Dienstschluß noch mit Vorbereitungen beschäftigt."

Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf die offenen Angebote, wobei die Sozialarbeit an Bedeutung zunahm.