Geschichte | 1950er Jahre

Heiner Massa, Gründungsmitglied des Stuttgarter Jugendhaus e.V.

H_Massa

"Wenn ich heute auf 50 Jahre Jugendarbeit in Stuttgart zurückblicke, dann tu ich dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. In unserer Stadt wird viel für die Jugend getan. Dies ist das lachende Auge. Das weinende Auge sieht wachsende Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus und Jugendkriminalität. Diesen Auswüchsen entgegenzusteuern muss eine vordringliche Arbeit der Jugendhaus-Verantwortlichen sein".

 

Ein grosser Plan beginnt

50er

Heiner Massa (Jahrgang 1918) erinnert sich an die Gründerzeit des Stuttgarter Jugendhaus e.V. mit dem Bau des ersten Jugendhauses und blickt auf 25 Jahre aktive Jugendarbeit und politische Verantwortung im Stuttgarter Gemeinderat zurück.

"Als ich nach dem Krieg die riesigen Trümmerberge in Stuttgart sah, hab´ ich mir sofort gesagt: Da musst du mithelfen. Die dringendsten Probleme waren natürlich die Ernährung und die gesamte Infrastruktur. Die Menschen lebten in beengten Wohnungen, die Jugendlichen trafen sich einfach auf der Strasse. Also ging es erst mal darum, einen Treffpunkt zu schaffen. Wir organisierten Gruppenabende, die immer überfüllt waren. Anfangs interessierten uns die praktischen Dinge, denn es gab ja nichts zu kaufen. Besen wurden gebunden, Körbe geflochten, Tassen und Teller getöpfert. Aus alten Teppichen und Stoffen entstanden Mäntel und Kleider. Wer eine Nähmaschine zuhause hatte, brachte sie mit."

Mit dem Neubau des Jugendhauses Mitte 1952 begann eine neue Entwicklung. Heiner Massa hatte die ehrenamtliche Bauleitung. Mitten in den Ruinen und teilweise aus alten Backsteinen gemauert wurde der Grundstein gelegt für einen kulturellen Mittelpunkt der Stuttgarter Jugend.

"Täglich kamen bis zu 1000 Jugendliche aus allen Stadtteilen. Basteln, Musik hören und Tanzen waren die Freizeitangebote, als es weder Kino noch Konzerte gab. Aber auch die Diskussionsrunden zu politischen Themen stießen auf großes Interesse. Die amerikanischen Jugendoffiziere hatten ja den Auftrag, die deutsche Jugend zur Demokratie, insbesondere zum Kampf gegen Radikalismus umzuerziehen. Nach ihrem Rückzug im Jahr 1953 überließen die Amerikaner dem Stuttgarter Jugendhaus e.V. das heutige Werkstatthaus Ost, das Anna-Haag-Haus in Cannstatt und die Einrichtung in Zuffenhausen.

Mit großer Genugtuung kann ich heute feststellen, dass unser damaliges Ziel fast erreicht wurde, in jedem Stadtteil Stuttgarts ein Jugendhaus einzurichten. Sie alle aufrechtzuerhalten, ist eine außerordentliche Leistung der Landeshauptstadt Stuttgart."