Geschichte | Jahr 2000

Caroline Stickel, Jugendrätin

Caroline Stickel (Jahrgang 1982) ist Ansprechpartnerin für alle Themen, die Jugendliche angehen, arbeitet mit dem Stuttgarter Jugendhaus e.V. zusammen und verwirklicht dabei ihre Vision von einer Gesellschaft mit mehr Verständnis und Anerkennung für Jugendliche.

Jugendliche wollen Verantwortung

"Zu meinem Amt als Jugendrätin bin ich gekommen, weil ich was machen wollte, ohne in eine Partei einzutreten. Es gibt eine ganze Menge von Anliegen, die von Jugendlichen an mich herangetragen werden: die Einrichtung von neuen Spielflächen oder die Reparatur einer Half Pipe, die längere Öffnungszeit eines Jugendhauses, die Beleuchtung für den Heimweg oder ein neuer Radweg. Unser größter Erfolg in Baden-Württemberg ist die Einführung der "school card". Mit einer "Schwarzfahr"-Aktion haben wir ganz schön Aufsehen erregt, auch in der Presse, und mit insgesamt 30 000 Unterschriften die bisher größte Unterschriften-Aktion unter Jugendlichen in Deutschland organisiert."

Seit drei Jahren ist Caroline Jugendrätin ihres Stadtbezirks und Sprecherin des AK Stuttgarter Jugendräte. Als einzige Großstadt in Deutschland hat Stuttgart das Rede- und Antwortrecht für die jungen Räte. Sie treffen sich regelmäßig in Schulen und Jugendhäusern oder nutzen auch mal das Internet Cafe. Durch ihre Arbeit ist Caroline näher in Kontakt mit dem Stuttgarter Jugendhaus e.V. gekommen. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Vereins und der Polizei hat sie am "Anti-Gewalt-Projekt"mitgearbeitet. Das Jugendhaus der Zukunft wünscht sie sich noch offener:

"Die sozialen Unterschiede sollen sich auflösen. Das Jugendhaus soll noch mehr Treffpunkt für alle werden, ein ständiger Anlaufpunkt, wenn die Eltern nicht da sind und sich Freizeit- und Berufsaktivitäten immer mehr vermischen. Kinder und Jugendliche sollen am Computer lernen und arbeiten können, besonders wenn sie zuhause keinen besitzen. Überhaupt sollte das außerschulische Bildungsangebot erhöht werden. Dabei würde ich auf die persönliche Begegnung von Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen großen Wert legen. Hier liegt sicher die Stärke der Jugendhäuser, und natürlich auch darin, Freizeitaktivitäten zu organisieren, die nicht konsumorientiert sind, wie zum Beispiel die City Hits in der Stadt nach Ladenschluss."

Persönlich bekommt Caroline durch ihr Engagement jede Menge Erfahrung und Kontakte zu Leuten. Dass Jugendliche mehr Akzeptanz und Verständnis in der Gesellschaft finden, mehr in Entscheidungen einbezogen und vor allem ernst genommen werden, wünscht sie sich für die Zukunft.